Deutsche Geschichte, namibische Gegenwart

Es ist mir selten so schwer gefallen einen Text für den Newsletter zu starten. Gut, das könnte natürlich daran liegen, dass das hier erst die 11. Ausgabe ist. Es liegt aber vor allem an dem Thema das im dieswöchigen Community Spotlight im Fokus steht: Diese Woche findet das 25 jährige Jubiläum der Städtepartnerschaft Windhoek und Berlin statt. Mein erster Impuls hätte zu hoher Wahrscheinlichkeit folgender sein können: “juckt mich nicht, dass Berlin irgendeine Partnerschaft mit irgendeiner anderen, vermutlich in Holland liegenden Stadt hat” – ein Gedanke, der mich rückblickend ziemlich blamiert hätte. Denn Windhoek ist die Hauptstadt Namibias, eines Landes, das flächenmäßig mehr als doppelt so groß ist wie Deutschland. Und vor allem: eines Landes, dessen Geschichte zutiefst mit der deutschen kolonialen Gewalt verwoben ist.

Denn hinter der scheinbar nüchternen Städtepartnerschaft verbirgt sich ein äußerst schmerzhaftes Kapitel: Das Deutsche Reich verübte vor gut hundert Jahren in Namibia einen Völkermord an den Herero und Nama. Die Projektwoche widmet sich deshalb nicht nur der Gegenwart zweier Städte, sondern öffnet Räume für künstlerische Zusammenarbeit, kritische Reflexion und Community-Perspektiven. Im Zentrum stehen die koloniale Vergangenheit Deutschlands, ihre Auswirkungen in Namibia und die Frage, wie eine gemeinsame Zukunft aussehen kann.

Als ich dieses Jahr einen Freund in Simbabwe besucht habe, der für die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit arbeitet, haben wir lange darüber gesprochen, inwiefern internationale Zusammenarbeit noch zeitgemäß und wirksam ist – besonders vor dem Hintergrund postkolonialer Machtstrukturen und der ernüchternden Bilanz vieler Entwicklungsprogramme. Am Ende führte uns das Gespräch zu einem Bereich, der häufig unterschätzt wird: Soft Power und kultureller Austausch. Dort, wo Begegnungen, künstlerische Zusammenarbeit und gegenseitiges Lernen stattfinden, entstehen häufig nachhaltigere Impulse als in technokratischen Projekten. Gerade dieser kulturelle Raum schien uns ein Ansatzpunkt zu sein, der weniger auf Instruktion und mehr auf gegenseitige Anerkennung setzt.

Besonders hervor sticht für mich in dieser Woche die Special Namibia Edition von „Decolonized Glamour“, ein performatives Talkformat mit namibischen Gäst:innen, initiiert von Lara-Sophie Milagro in der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz.

Und dennoch: Deutschland hat noch längst nicht genug getan, um sich seiner kolonialen Vergangenheit zu stellen. Im Schulunterricht wird dieses Kapitel oft nur am Rande behandelt, und viele Menschen wissen bis heute nicht, dass ein Völkermord begangen wurde. Durch das Stück Pistes…” von Penda Diouf wurde ich zudem auf etwas aufmerksam, das mich nicht loslässt: Noch immer lagern tausende menschliche Überreste aus Namibia in deutschen Institutionen, unter anderem in den Beständen der Berliner Charité. Zwar gab es Rückführungen, doch sie umfassten bisher nur einen Bruchteil dessen, was eigentlich zurückgeführt werden müsste.

17.–23. November 2025, Berlin

Unsere Auswahl für deine perfekte Woche

Montag, 17.11.

LesungKabarett der Namenlosen | 17:30 Uhr: Die Autorin erzählt von deutsch-jüdischen Künstler:innen im Exil in Los Angeles (1939–1945) im Rahmen der 38. Jüdischen Kulturtage 13-23.11. | 8 €

Performance ‎– IFC Showcase | 20:00 Uhr: Ein Abend mit zeitgenössischem Zirkus, feministischer Wut und queerer Empowerment – Gegen Ungerechtigkeit auf der Bühne. | 15 €

Dienstag, 18.11.

ProbeneinblickOpernwerkstatt: Fedora | 18:30 Uhr: Hinter den Kulissen von Deutsche Oper Berlin – Besuch einer Probe und Gespräch mit Künstler:innen zur Produktion der Oper „Fedora“. | 5 €

Premiere„DIGITAL SINS #4 – Lust & Völlerei“ | 19:00 Uhr: Ein interaktives Musik-Theaterstück im Neuköllner Oper in Berlin – wir tauchen ein in die Dark Side der Sozialen Medien mit Themen wie Begehren, Überfluss und Identität. | 15 €

Mittwoch, 19.11

TheaterMademoiselle | 18:30 Uhr: Ein Stück über eine berühmte Tänzerin names Nadia Boulanger, ihre Sehnsucht nach Bühne und Freiheit im Paris der 1920er Jahre. | 5 €

Lesung & Dialog„Candy Girls – Sexismus in der Musikindustrie“ | 19:00 Uhr: Die Autorin Sonja Eismann spricht über Geschlechter- und Machtverhältnisse in der Musikindustrie – mit anschließender Diskussion. | 8 €

Donnerstag, 20.11.

Auszeichnung„Ehrung der Preisträger*innen 2025“ | 19:00 Uhr: Öffentlicher Auftakt des Festivals Treffen junger Autor:innen und Treffen junger Musikszene – Vorstellung und Ehrung der Gewinner:innen mit Gästen, Tanz und Live-Musik im Haus der Berliner Festspiele. | Eintritt frei

MusicalGesangswerkstatt Musical | 19:30 Uhr: Der 3. Jahrgang des Studiengangs Musical/Show der Universität der Künste Berlin präsentiert Highlights aus fünf bekannten Musicals – Gesang, Tanz und Schauspiel inklusive. | 10 €

FilmfestivalFranzösische Filmwoche 2025: 25 Jahre Kinokultur | 20.–26. 11.: Jubiläumsausgabe mit 31 aktuellen Filmen des französischen und frankophonen Kinos, vielen Vorpremieren und Screenings in über 25 Städten. In Berlin u. a. in den Kinos der Yorck Gruppe und im City Kino Wedding. | Preise je nach Kino & Vorstellung

Freitag, 21.11.

Theater„Bülowstraße“ | 19:30 Uhr: Ein Berliner Musical über Mila und ihre Freund:innen, ihre Partynächte, das Erwachsenwerden und die Suche nach Orientierung in der Großstadt. | 25 €.

TalkshowBONUSMATERIAL: Die Talkshow zum laufenden Programm | 21:00 Uhr: Live im Roten Salon der Volksbühne am Rosa‑Luxemburg‑Platz – ein Gesprächsabend mit Gästen, Theatermacher:innen und Zuschauer:innen über aktuelle Themen. | 12€

AusstellungTending Layers | 21.-24.11, Eröffnung um 18:00 Uhr: 12 Viet-deutsche Künstler:innen zeigen Arbeiten zu unsichtbaren Spuren von Identität, Zugehörigkeit und Fürsorge. | Eintritt frei

Samstag, 22.11.

Konferenz“About Tomorrow” | 22. & 23. November 2025 | Zwei Tage voller Workshops, Diskussionen und Aktionen zu Klima­gerechtigkeit, Demokratie & Solidarität - Gemeinsam laut für eine bessere Zukunft | Eintritt frei

Lesung „Wehe Du gibst auf – Tour 2025“ | 19:30 Uhr: Clara Lösel liest aus ihrem Bestseller „Wehe Du gibst auf“, kombiniert mit Live-Musik – persönliche Texte zu Themen wie Liebe, Verletzlichkeit und Hoffnung| ab ca. 29,90 €.

SymposiumListening to the Past, Hearing the Present | 15:00–22:00 Uhr: Öffentliches Programm mit Konzerten, Lecture-Performances, Gesprächen und gemeinsamen Listening Sessions zu Musik als Form von Erinnerung und transgenerationalem Dialog – inkl. Präsentation einer neuen „sonic capsule“-Kassette. | Eintritt frei

Sonntag, 23.11.

KonzertKlassik Radio Live in Concert 2025 | 23.11.2025, 19:00 Uhr: Filmmusik-Highlights live mit großem Orchester im Tempodrom | 79 €

Impro TheaterOpen Stage | 20:00 Uhr: Offene Bühne für Musik-, Gesangs- oder Performance-Beiträge – jede*r kann mitmachen oder einfach zuschauen. Wir stellen einen Musiker, die Lichttechnik und die Bühne. | 5€

Wir sind Pia und Sarah,

wir wollen Menschen und Kulturorte wieder zusammen bringen. Deshalb teilen wir hier unsere Liebe zu Kunst und Kultur.

Damit du die kulturellen Highlights Berlins entdeckst, bevor sie schon wieder weg sind!

Wir lesen uns,

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