Hyperfokus: Gaslampen

Ich bin der festen Überzeugung, dass Kunst und Kultur für alle frei zugänglich sein sollten. Im aktuellen Stadium des Kapitalismus wird gefühlt alles zur Ware. Selbst die heiligen Pingpongplatten im Park werden plötzlich zum Businessmodell. Räume, in denen man sich einfach bewegen kann, ohne Eintritt zu zahlen oder etwas konsumieren zu müssen, werden immer seltener.
Diese Woche haben wir genau so einen Ort für euch ausgegraben: das Gaslaternen-Freilichtmuseum im Berliner Tiergarten. Direkt zwischen Zoo, Hansaviertel und dem S-Bahnhof Tiergarten steht dort seit 1978 eine Sammlung historischer Gaslaternen aus ganz Europa. Heute umfasst die Ausstellung rund 90 Laternen aus der Zeit zwischen 1826 und den 1950er Jahren. Viele stammen aus Städten wie Berlin, London, Paris oder Kopenhagen. Einige sind Originale, andere wurden originalgetreu rekonstruiert. Seit 1995 steht das Gaslaternenmuseum unter Denkmalschutz und gilt weltweit als einzigartige Freiluftsammlung. Allerdings sind viele der Laternen inzwischen stark reparaturbedürftig.
Gerade abends entfaltet der Ort sein ganzes unperfektes Potential. Bei Einbruch der Dämmerung kann man zwischen den Laternen herumstreifen, die unterschiedlichen Formen entdecken und sich vorstellen, wie Menschen vor hundert Jahren vom Licht angeschienen wurden. Im gedämpften Gaslicht lässt sich leicht in andere Zeiten träumen. Vielleicht in einen Spaziergang durch das nächtliche Paris des letzten Jahrhunderts (Midnight in Paris lässt grüßen) oder durch ein altes Berliner Viertel lange vor Neonlicht und LED.
Dass Straßenbeleuchtung mehr ist als bloße Infrastruktur, zeigen auch Studien aus der Stadtforschung. Sie kommen immer wieder zu dem Ergebnis, dass Licht unser Verhalten im öffentlichen Raum beeinflusst: wie sicher wir uns fühlen, welche Wege wir wählen und wie wir eine Stadt wahrnehmen. Straßenlampen strukturieren gewissermaßen das nächtliche Leben einer Stadt.
Berlin selbst ist dafür ein interessantes Beispiel. Rund um die Zimmerstraße lässt sich bis heute die frühere Teilung der Stadt an der Straßenbeleuchtung ablesen. Auf der einen Seite der ehemaligen Mauer stehen andere Lampentypen als auf der anderen. Selbst aus dem All sollen die frühere Teilung der Stadt noch an den unterschiedlichen Straßenbeleuchtungen erkennbar sein.
Zwischen den alten Laternen im Tiergarten bekommt diese Erkenntnis plötzlich eine sehr konkrete Form. Hier sieht man, dass Stadtlicht einmal mehr war als funktionale Beleuchtung: ein Stück Gestaltung, Technikgeschichte und Atmosphäre zugleich.
Gaslaternen Freilichtmuseum, Str. des 17. Juni 17, 10557 Berlin, Germany
Unsere Auswahl für deine perfekte Woche

Montag, 16.01.
Performance – Ping Pong | 20:00 Uhr: In der performativen Arbeit „Ping Pong“ treffen Bewegung, Rhythmus und Interaktion aufeinander und untersuchen spielerisch Dynamiken von Wettbewerb, Austausch und Kooperation. | 3€
Talk – Culture Discourse: The Value of Culture – Financing the Arts in Times of Competing Priorities | 18:00 Uhr: Internationale Gesprächsrunde in der Neuen Nationalgalerie über die gesellschaftliche Bedeutung von Kultur und die Finanzierung der Künste in Zeiten konkurrierender politischer Prioritäten. | kostenlos
Dienstag, 17.01.
Musik-Comedy – Muttis Kinder – 20 Jahre | 20:00 Uhr: Das Vokal-Comedy-Trio Muttis Kinder feiert sein 20-jähriges Bühnenjubiläum mit einem musikalischen Best-of aus Gesang, Humor und virtuoser A-cappella-Performance. | 22,90€
Lesung & Gespräch – Sally Lisa Starken: Wenn der rechte Rand regiert | 20:00 Uhr: Die Journalistin und Autorin Sally Lisa Starken spricht über ihr Buch „Wenn der rechte Rand regiert“ und diskutiert die Auswirkungen eines erstarkenden Rechtspopulismus auf Politik und Gesellschaft. | 12€Mittwoch,
Mittwoch, 18.01.
Stand-up Comedy – Fun Facts mit Gazelle – Stand-up Show der Extraklasse mit Gazelle und Gästen | 20:00 Uhr: Comedian Gazelle lädt zur Stand-up-Show mit Gästen ein und präsentiert einen Abend voller pointierter Beobachtungen, spontaner Momente und humorvoller Geschichten. | 27,84€
Konzert – Trio con Brio Copenhagen | 20:00 Uhr: Das international gefeierte Klaviertrio Trio con Brio Copenhagen präsentiert ein Kammerkonzert mit Werken aus dem klassischen und romantischen Repertoire. | ab 10€
Donnerstag, 19.01.
Theater – Tag 1 | 20:00 Uhr: In dem Stück „Tag 1“ wird mit Humor und Ernst zugleich die Frage gestellt, wie wir mit wissenschaftlichen Erkenntnissen über den Klimawandel umgehen und welche Verantwortung jede*r Einzelne trägt. | 15€
Tanz – Spirit and the Dust | 20:00 Uhr: Zeitgenössische Tanzperformance über Erinnerung, Spiritualität und die Verbindung zwischen Körper, Landschaft und Geschichte. | ab 15€
Freitag, 20.01.
Poetry Slam – Slam to Go – Hidden Places | 19:00 Uhr: Mobiler Poetry Slam durch versteckte Orte der Stadt – mehrere Poet*innen treten nacheinander an unterschiedlichen Locations auf und verbinden Literatur mit Stadterkundung. | 29,39€
Konzert – Daniel Weltlinger Trio | 20:00 Uhr: Das Daniel Weltlinger Trio verbindet Jazz, osteuropäische Einflüsse und improvisierte Musik zu einem virtuosen und atmosphärischen Konzertabend. | 25€
Samstag, 21.01.
Konzert – Klangwelten Afghanistans | 13:30 Uhr: Konzertabend mit traditioneller und zeitgenössischer Musik aus Afghanistan, der die Vielfalt afghanischer Klangkulturen und musikalischer Traditionen präsentiert. | kostenlos
Vortrag – Vom schmelzenden Eis & künstlichen Gletschern | 20:00 Uhr: Vortrag über die Auswirkungen des Klimawandels auf Gletscher und innovative Projekte, bei denen künstliche Gletscher als mögliche Wasserressource in Hochgebirgsregionen entstehen. | kostenlos
Sonntag, 22.01.
Performance – Turn the P/age | 20:00 Uhr: Performance über Sprache, Körper und politische Ausdrucksformen, die mit Text, Bewegung und Stimme die Macht von Narrativen und deren Veränderbarkeit untersucht. | ab 10€
Konzert – Jazz am Sonntag: Roamer Street Rag Band spielt Oldtime Jazz | 20:00 Uhr: Wöchentlicher Jazzabend mit der Roamer Street Rag Band, die mit Oldtime- und Traditional-Jazz für eine lebendige Atmosphäre sorgt. | kostenlos

Wir sind Pia und Sarah,
wir wollen Menschen und Kulturorte wieder zusammen bringen. Deshalb teilen wir hier unsere Liebe zu Kunst und Kultur.
Damit du die kulturellen Highlights Berlins entdeckst, bevor sie schon wieder weg sind!

Wir lesen uns,
